Oxymel – Stärkung des Immunsystems

Oxymel heißt die süßsaure Mischung aus Honig, Apfelessig und heilsamen Kräutern. Bereits in der Antike wurde sie als Naturarznei angewendet. Im Alpenraum wurde der Sauerhonig jahrhundertelang bei Fieber, Mineralstoffmangel und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.

Anders als unsere Vorfahren, die mit geringen Kosten wirksame Naturarzneien herstellten, neigen wir heute zum Kauf von Fertigmedikamenten. Diese sind jedoch längst nicht so individuell auf uns zugeschnitten, wie ein selbst hergestellter Oxymel. Der Sauerhonig wird schon bei der Zubereitung auf das jeweilige Beschwerdebild abgestimmt, damit sich die gewünschte Wirkung zielgerichtet entfalten kann.

Die fruchtige Säure des Apfelessigs (oxy=sauer) und die Süße des Honigs (mel=Honig) gehen mit den Wirkstoffen der beigefügten Kräuter eine Symbiose ein, wie sie besser nicht sein könnte. Süße und Säure liegen in einem so ausgewogenen Verhältnis vor, dass die fertige Rezeptur auch von Kindern als wohlschmeckend empfunden wird. Hinzu kommt das feine Aroma der Heilkräuter, die während der drei bis vier Wochen dauernden „Auszugsphase“ all ihre Wirkstoffe abgeben. Der Apfelessig eignet sich hervorragend dazu, die heilkräftigen Substanzen aus den Kräutern herauszulösen.

Der Sauerhonig besitzt neben seiner Eigenschaft, das Immunsystem zu stärken und damit generell Krankheiten vorzubeugen auch die Fähigkeit, ein mögliches Defizit im Mineralstoffhaushalt auszugleichen. Dies gilt insbesondere für Menschen, deren Vitalstoffbedarf erhöht ist – wie zum Beispiel Kinder im Wachstum oder auch Erwachsene im höheren Alter.

Für das Grundrezept benötigt man drei bis vier Teile Honig, einen Teil Essig und diverse Kräuter. Das Mengenverhältnis kann auch nach persönlichen Vorlieben abgeändert werden.

Bienenhonig: Für die Oxymel-Zubereitung wird ausschließlich naturbelassener, regional hergestellter Bio-Honig verwendet. Denn Honig ist viel mehr als nur ein süßer Brotaufstrich: Er enthält viele Stoffe, die für unsere Gesundheit von Nutzen sind – unter anderem Kalium, Natrium, Calcium und Magnesium, verschiedene Spurenelemente, Acetylcholin, die Vitamine B1, B2, B6 und C, Aminosäuren, antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe, sowie Frucht- und Traubenzucker.

Apfelessig: Da Äpfel von Natur aus reich an gesundheitsfördernden Wirkstoffen sind, finden sich die meisten von ihnen auch im Apfelessig wieder – darunter wichtige Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, antioxidativ wirkende Flavonoide, die Gerbsäure Tannin, Zitronen- und Essigsäure sowie verschiedene Aminosäuren. So versorgt der Apfelessig den Organismus mit lebenswichtigen Nährstoffen und wirkt anregend auf das gesamte Stoffwechselgeschehen. Nicht minder bekannt ist seine Fähigkeit, der Übersäuerung des Körpers entgegen zu wirken, da er basisch verstoffwechselt wird. Außerdem verbessert er den Blutfluss im gesamten Körper. Für Oxymel wird naturbelassener, regionaler Bio-Apfelessig mit fünf- bis sechsprozentigem Säuregehalt empfohlen. Da dieser weder filtriert noch erhitzt wurde, besitzt er noch all seine wertvollen Inhaltsstoffe.

Heilkräuter: Für die Zubereitung des Sauerhonigs wählt man jene Heilkräuter aus, die am besten zum jeweiligen Beschwerdebild passen und welche die momentane Befindlichkeit verbessern. Wer in der Pflanzenheilkunde nicht so gut bewandert ist, fragt am besten seinen Heilpraktiker oder Apotheker, welche Pflanzen bei welchen Symptomen besonders hilfreich sind. Es spricht auch nichts dagegen, eine Mischung verschiedener Kräuter zu verwenden. Natürlich können auch deren „wilde“ Verwandte genommen werden, denn die Wildkräuter der Natur – zum Beispiel Brennessel, Löwenzahn, Zinnkraut, Giersch und viele andere – verfügen über ein enormes Heilpotential, das der getrockneten Droge vorzuziehen ist.

Es gibt drei Methoden der Herstellung:

Methode A:

Frische Heilkräuter werden zuerst gewaschen und zerkleinert, ehe sie aber weiter verwendet werden, müssen sie gut abgetrocknet werden, damit es während der Auszugsphase nicht zur Schimmelbildung kommt. Dann wird mit Apfelessig aufgefüllt, bis alle Kräuter gut bedeckt sind. Es empfiehlt sich, ein Stück Frischhaltefolie zwischen Deckel und Glas zu legen, da die Essigsäure sonst das Metall angreift. Nun muss das Gefäß an einem dunklen, aber warmen Platz in der Wohnung drei bis vier Wochen lang stehen, sodass die Wirkstoffe „ausziehen“ können. Dabei ist es wichtig, die Mixtur jeden Tag einmal kräftig zu schütteln. Anschließend werden die Kräuter abgesiebt, die Essigmischung wird mit der drei- bis vierfachen Menge Honig verrührt, welcher zuvor an einem warmen Platz fließfähig gemacht worden ist. Den fertigen Osymel in eine dunkle Flasche mit Kunststoffverschluss füllen. Kühl und dunkel gelagert, hält er sich bis zu einem Jahr.

Methode B:

Alternativ mischt man den weichen, flüssigen Honig mit Apfelessig ( Verhältnis 3 :1 oder 4 : 1) und füllt das Gemenge in ein großes Schraubglas oder in eine weithalsige Flasche. Dann werden die vorbereiteten Heilkräuter zerkleinert und zugegeben, das Gefäß wird verschlossen (an Frischhaltefolie denken). Ebenso wie bei Methode A, muss die Mixtur drei bis vier Wochen lang stehen und täglich geschüttelt werden. Anschließend kann man den fertigen Osymel entweder mitsamt den Kräutern einnehmen oder man siebt diese ab. Damit das gelingt, muss der Sauerhonig vorsichtig erwärmt werden – maximal bis zu 40 Grad C.

Methode C – die Schnellmethode:

Die zerkleinerten Kräuter in den Apfelessig geben, diesen auf ca 90 Grad C erhitzen (kurz vor dem Kochen) und eine Stunde lang sieden lassen, wobei öfter umgerührt werden muss. Den Essig auf ca 50 Grad C abkühlen lassen und durch ein Sieb geben. Die Kräuter noch einmal gut auspressen. Nun kommt auf einen Teil der Flüssigkeit drei bis vier Teile Honig. Diese Methode bietet sich vor allem dann an, wenn es schnell gehen muss und man keine Zeit für die drei- bis vierwöchige Auszugsphase der Kräuter hat. Ansonsten ist sie nicht so empfehlenswert, da durch die hohe Erwärmung viele der kostbaren Wirkstoffe verloren gehen.

Wie einnehmen?

Nicht nur die Zubereitung, auch die Einnahme des Sauerhonigs kann auf verschiedene Weise erfolgen. In der Regel nimmt man morgens (nüchtern) und abends einen Teelöffel oder Esslöffel des Oxymels unverdünnt in den Mund und lässt die Mischung langsam zergehen. Diese Kur sollte vier bis sechs Wochen durchgeführt werden. Übrigens wird in Oberösterreich als tägliche Dosis gar von einem „Stamperl“ gesprochen (ein kleines Schnapsglas). Man kann den Sauerhonig natürlich auch in Tee oder Wasser geben und schluckweise zu sich nehmen.

Tipp:

Für die Herstellung eines gesunden und leckeren Erfrischungsgetränks kann ein Teelöffel des fertigen Sauerhonigs zusammen mit frischen Kräutern wie Minze, Melisse, Schafgarbe…oder auch Ingwer gemischt werden und anschließend mit Wasser (evtl Mineralwasser) aufgegossen werden. Wer es fruchtiger mag, verwendet bei der Herstellung des Getränks statt der Kräuter kleingeschnittenes Obst der jeweiligen Saison, wie Kirschen, Himbeeren, aber auch Wildfrüchte wie Hagebutten, Sanddorn oder Schlehen, deren Vitalstoffe und Aromen in den Sauerhonig übergehen.

Um in den Heilgenuss des Osymels zu kommen, muss man nicht erst krank werden. Täglich in kleinen Mengen zum Start am Tag, mittags oder abends ins Salatdressing, über Eiscreme, Dessert oder in den Smoothie gegeben, ist nicht nur schmackhaft, sondern stärkt ganz nebenbei das Immunsystem. Hier sei auch an Hippokrates erinnert, der schon im vierten Jahrhundert vor Christus wusste, dass der Mensch nur dann gesund bleibt, wenn seine Nahrungsmittel auch seine Heilmittel sind. Da dies in Zeiten der Lebensmittel-Technologie kaum noch der Fall ist, können wir den Sauerhonig getrost als sinnvolle Prophylaxe auf unseren Speise- und Getränkeplan setzen – wie beispielsweise mit Kräutern und Früchten der jeweiligen Jahreszeit. Liegen bereits Beschwerden vor und beeinflussen sie das Wohlbefinden, bietet sich bei der Herstellung die gezielte Heilkräuterzugabe an, die auch therapiebegleitend Wirkung zeigt, wie zB Thymian bei Husten oder Weißdornblüten und -blätter für ein starkes Herz.

Bin dankbar für diese Anregung aus dem Heft „Natur & Heilen“ (04/2108).