Nimm wahr, was dich umgibt - Meditation

Vor einiger Zeit wurde ich von einer meiner lieben Nichten in Wien mit einer ganz besonderen Führung überrascht: Dialog im Dunkeln

„Dialog im Dunkeln“ ist eine Ausstellung, bei der es nichts zu sehen gibt. In Gruppen von maximal acht Personen werden BesucherInnen von blinden oder sehbehinderten Guides durch völlig abgedunkelte Räume begleitet. Man bekommt einen Behindertenstock, der, für sehende Menschen kaum vorstellbar, zur extrem wichtigen Hilfe wird. In verschiedenen Räumen sind Alltagssituationen nachgestellt, die durch die Lichtlosigkeit zum reizvollen Abenteuer werden…

Man sieht wirklich absolut nichts und kann sich nur durch „Fühlen und Hören“ weiter bewegen.

Es war schon irgendwie unheimlich am Anfang. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und ich war total überrascht, wie laut einem die ganz „normalen Alltagsgeräusche“ vor kommen. Da wird jedes einzelne Geräusch in der Umgebung zum wichtigen Orientierungspunkt. Sehend nimmt man diese Geräusche oft kaum mehr bewusst wahr!

Um euch ein bisschen in diese Welt der Blinden eintauchen zu lassen, hab ich heute für euch eine entspannende Wahrnehmungsübung zum Ausprobieren.

Durch intensives „Hinhören“ nimmst du die „Musik deiner Umgebung“ völlig neu und intensiver wahr. Man kommt immer mehr ins „Hier und Jetzt“ und entspannt damit Körper, Geist und Seele.

Wahrnehmungsübung:

  • Lege oder setze dich bequem und nimm dir Zeit, die Stellen deines Körpers wahrzunehmen, mit denen du Kontakt zu deiner Unterlage hast.
  • Schließe deine Augen, damit du besser hören kannst.
  • Gehe nun mit deiner ganzen Aufmerksamkeit zu deinen Ohren und spüre sie. Berühre deine Ohrläppchen und massiere sie mit Daumen und Zeigefinger. Dann lege deine Hände wieder in den Schoß.
  • Mache ein paar tiefe Atemzüge und atme dann ganz ruhig weiter.
  • Achte nun für einige Minuten auf alle Geräusche deiner Umgebung.
    Auf jedes einzelne Geräusch. Versuche sie auseinander zu halten, jedes Geräusch für sich wahr zu nehmen (zB das Vogelgezwitscher, Wasser, Auto, Wind….). Versuche diese Geräusche aufzunehmen – ganz ohne „Bewertung“ („das ist aber laut“…) - dies ist anfangs nicht so einfach, doch macht man diese Übung immer öfter, gelingt es immer besser!
  • Nach ein paar Minuten öffnest du wieder die Augen – wenn möglich, schreibe auf, was du gehört hast – jedes kleinste Geräusch!

„Hinhören“ ist auch eine ganz besondere Kunst, die jede gute Kommunikation erst richtig gelingen lässt. Auch hier kann man “Hinhören” üben und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen werden besser glücken.

Wir durften am Ende unserer Führung unserer blinden Führerin Fragen stellen. Das war auch sehr spannend. Sie erzählte uns, wie sie trotz Blindheit in „ihren Bildern“ träumt. Sie bat uns auch, falls wir in der Öffentlichkeit zu einem blinden Menschen kommen, den Mut zu haben, zu helfen zB über die Straße, beim Einsteigen in den Bus usw…Natürlich sollte man vorher fragen, ob dies gewünscht sei.

Und solltest du mal nach Wien kommen: einen Besuch bei „Dialog im Dunkeln“ kann ich wirklich nur weiter empfehlen! Denke heute noch oft an dieses spannende und zugleich berührende Erlebnis. Großen DANK an meine liebe Nichte :)