Heilung aus dem Wald

Das heilende Band zwischen Mensch und Natur


Der Wald tut uns gut, das spüren wir intuitiv. Doch was bisher mehr ein Gefühl war, belegt jetzt die Wissenschaft. Sie erforscht das heilende Band zwischen Mensch und Natur, das einen viel stärkeren Effekt auf uns hat, als wir bisher dachten.


So kommunizieren Pflanzen mit unserem Immunsystem, ohne dass es uns bewusst wird, und stärken dabei unsere Widerstandskräfte. Bäume sondern unsichtbare Substanzen ab, die anscheinend auch gegen Krebs wirken.


Sattes Grün, frische Luft, Ruhe: Ein Waldspaziergang ist viel mehr als nur reine Entspannung. Forscher finden stets neue Erklärungen dafür, warum Ausflüge im Wald sich positiv auf Herz, Immunsystem und Psyche auswirken.


So schrieb einst Erich Kästner:
Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um. Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm. Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Möglich machen das bioaktive Substanzen, darunter auch Terpene, die wir über die Atmung und Haut aufnehmen.

Terpene sind sekundäre Pflanzenstoffe und ätherische Öle, die aus Blättern, Nadeln und anderen Pflanzenteilen stammen. Sie sind in der Lage, unsere körpereigenen Killerzellen zu aktivieren. Jene Zellen also, die unter anderem Krebszellen erkennen und zerstören.

Antikrebs-Mittel der Zukunft.

Mittlerweile finden die asiatischen Erkenntnisse auch in der westlichen Hemisphäre zunehmend Anklang. Viele sehen in den Terpenen jetzt schon ein **wichtiges Antikrebs-Arzneimittel der Zukunft **– weltweit wird daran geforscht.

Der 36-jährige Clemens Arvay, der die Waldluft gern als „hoch wirksamen medizinischen Cocktail“ bezeichnet, untersucht momentan, welche Waldform die meisten gesundheitsschützenden Terpene liefert. Das Ergebnis seiner Studie möchte er 2017 vorlegen.

„Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl unserer natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40 Prozent“, schreibt Biologe und mittlerweile Autor Arvay in seinem Buch „Der Biophilia-Effekt.

Heilung aus dem Wald“. Diese erhöhte Aktivität halte – je nachdem, wie lange wir im Wald sind – sieben bis 30 Tage an. Das haben unter anderem Wissenschaftler der Nippon Medical School, einer medizinischen Universität in Tokio, nachgewiesen. Dort hat der Umweltimmunologe Qing Li zudem in zahlreichen Studien herausgefunden, dass Spaziergänge unter Bäumen auch Depressionen und Ängste lindern können.

Die medizinische Universität Wien und die Universität für Bodenkultur wiederum haben eine Studie zur „Gesundheitswirkung von Waldlandschaften“ gemacht (http://bfw.ac.at/greencarewald).

Eine Schlussfolgerung aus dem Bericht:

Der Wald könnte ein vielversprechendes Setting für medizinische Therapien sein, unter anderem bei Herzkreislauf- und Suchterkrankungen, Übergewicht, Burnout oder bei Hyperaktivitätsstörungen (ADHS).

Ein Spaziergang im Wald hebt die Stimmung, steigert positive Emotionen und senkt die Gewaltbereitschaft, lautet die Erkenntnis aus einer anderen Studie. Denn der Wald „bietet Erlebnis- und Bewegungsraum und kann damit dazu beitragen, Aggressionen zu mildern“, heißt es in einem Bericht des Bundesforschungszentrums für Wald.

Axel Schmid, Inhaber einer Bildungseinrichtung für Sozialberufe in Oberösterreich, kann das nur bestätigen:

„Wir haben einige Projekte der Gewaltprävention im Wald und damit sehr positive Erfahrungen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.“

Schmid liefert auch eine Erklärung dafür: „Gewaltbereite Menschen können ihre Gefühle entweder nicht einordnen oder nicht wahrnehmen und aus dieser Hilflosigkeit schlagen sie oft zu.“ Im Wald aber, so Schmid, können sich auch solche Menschen mehr auf sich selbst fokussieren und ihre Gefühle einordnen. „Der Wald ist ein Ort, wo man leichter zu sich selbst findet“, heißt es auch sinngemäß in der vorher erwähnten Studie der beiden Wiener Universitäten. „Gewaltbereite Jugendliche lernen dadurch, achtsamer mit sich zu sein, und das senkt die Gewaltbereitschaft“, sagt Schmid.

Therapie in Warmbad.

Auch Orthopäde Johannes Kirchheimer arbeitet mit seinen Patienten im Wald. Als Primar der Sonderkrankenanstalt für Medizinische Rehabilitation Thermenhof in Warmbad-Villach haben er und sein Ärzte-, Psychologen- und Pflegepersonalteam einmal eine Waldtherapie ausprobiert.

„Wir wollten das in unser Therapieangebot aufnehmen und vorher testen“, erzählt Kirchheimer. Es sei ein verregneter, nebliger Herbsttag, gewesen: „Keiner hatte Lust, in den Wald zu gehen.“ Aber niemand habe später bereut, es doch getan zu haben. „Wir waren regelrecht ergriffen, fast jedem ist das Herz aufgegangen, und wir kamen allesamt viel besser gelaunt, ausgeglichener und vitaler wieder in den Thermenhof.“

Dort wird nun seit rund einem Jahr in Zusammenarbeit mit der forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach einmal wöchentlich Waldtherapie für Patienten angeboten.

„Für jene, die es möchten“, betont der Primar. Die Waldtherapie sei Teil eines multimodalen Therapiespektrums, mit der vor allem Patienten mit Stress, mit psychischen Belastungen sowie chronische Schmerzpatienten behandelt werden. Das betreute und begleitete Walderlebnis könne negative Erlebnisse und Gedanken in den Hintergrund verdrängen und sich positiv auf das Schmerzgedächtnis auswirken. Das sei zwar noch nicht wissenschaftlich bewiesen, „aber deswegen ist es noch lange nicht schlecht. Und es gibt keinerlei negative Nebenwirkungen“, erklärt Kirchheimer.

Wissenschaftlich lässt sich das so erklären:

Das Stresshormon Cortisol (gemessen im Speichel) verringert sich im Wald, die signifikante Reduzierung hält über Tage hinweg an. Auch Blutzuckerspiegel und Blutdruck werden gesenkt. Dafür muss man sich nicht einmal bewegen: Waldluft wirkt auch, wenn man sitzt.

Übrigens:

Der Blutdruck wird schon deutlich niedriger, wenn wir Holz nur berühren. Der Kontakt mit künstlichen Materialien hingegen verursacht einen gewissen Stress-Effekt. „Spüren Sie die Unterschiede beim Holz?“, fragt unsere Waldtherapeutin, reicht uns eine Menge kleiner verschiedener Hölzer und verspricht: „Heute werden Sie gut schlafen, denn ein Aufenthalt im Wald verbessert die Schlafqualität nachweislich.“

Die Zirbe hilft dem Herzen. Wer beispielsweise in einem Zirbenbett schläft, erspart seinem Herzen laut Studien Nacht für Nacht rund eine Stunde Arbeit, weil das Herz langsamer schlägt.

„Diesen tollen Effekt haben aber nicht nur Zirben, das können auch andere Nadelholzarten wie Fichte, Tanne oder Lärche“, sagt Johann Zöscher, Leiter der forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach, eines Instituts des Bundesforschungszentrums für Wald. „Bäume tun uns also auch als Bett oder Büromöbel gut“, setzt der Forstwirt nach. Bäume seien damit also nicht nur im Wald Medizin.

Heilender Blick auf Bäume

Allein der Blick auf Bäume beschleunigt die Heilung. Das wies der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich bereits 1984 nach. Er beobachtete zwei Patientengruppen, an denen man identische Operationen durchgeführt hatte. Die Krankenzimmer, in denen die Probanden untergebracht waren, waren völlig gleich, mit einer wichtigen Ausnahme: Die eine Gruppe blickte auf eine öde Ziegelmauer, die andere auf Bäume.

Das Ergebnis:

Die Patienten mit Blick ins Grüne konnten das Krankenhaus früher verlassen, ihre Wunden heilten schneller, sie hatten auch weniger postoperative Komplikationen und Schmerzen und litten seltener unter Depressionen.

Nur fünf Minuten im Wald stärken das Selbstbewusstsein.

Nur fünf Minuten beim Spaziergehen im Wald, Gärtnern oder Angeln braucht es, bis die Stimmung deutlich besser und das Selbstwertgefühl erhöht wird – am meisten bei jenen, die chronisch unter Stress stehen.

Und am stärksten ist der entsapnnende Effekt, wenn die Zeit im Grünen in der Nähe von Wasser verbracht wird, bei einem Waldbächlein.

Stimmung und Selbstwertgefühl sind für Psychologen und Mediziner wichtige Indikatoren für die psychische und körperliche Gesundheit. Denn beides beeinflusst nicht nur das momentane Glücksempfinden, sondern auch die Fähigkeit, mit belastenden und stressigen Ereignissen umzugehen, die sogenannte Resilienz.

Bäume in der Umgebung helfen bei Heilungsprozessen

Grüne Bäume stärken aber nicht nur die seelische Widerstandskraft, sondern auch die körperliche: Sie haben einen direkten Einfluss auch auf raschere Heilung. Schon im Jahr 1984 hatte der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich in einer Studie beobachtet, dass bei Patienten, die nach einer Gallenblasenoperation einen Baum vor ihrem Krankenausfenster **stehen hatten, **Wunden schneller heilten und sie früher nach Hause entlassen werden konnten. Auch brauchten sie im Schnitt weniger Schmerzmittel als die Patienten, die keinen Baum vor dem Fenster hatten.

Bäume – intelligente, lebendige Wesen

Bäume sind weit mehr als nur Sauerstoffproduzenten, Holzlieferanten und Schattenspender. Sie sind intelligente, lebendige Wesen, die mit ihresgleichen und ihrer Umwelt kommunizieren und lebenslange Freundschaften bilden können – das hat nun sogar die Wissenschaft ermittelt.

Wälder verfügen also über eine Art „Sozialsystem“. Denn Bäume, so hat man herausgefunden, haben die Fähigkeit, sich mit artgleichen Exemplaren zusammenzuschließen und ein Baumnetzwerk zu bilden!

Dazu verbinden sich Bäume direkt über Wurzelverwachsungen; manchmal sind ihre Wurzeln aber auch nur lose über ein Pilzgeflecht miteinander vernetzt. Über diese Wurzelverbindungen werden dann Nährstoffe und Informationen ausgetauscht.

Da Bäume sich aktiv miteinander verbinden und Freundschaften pflegen, liegt der Gedanke nicht fern, dass sie auch miteinander kommunizieren können. Und ja, das können sie wirklich. Wenn auch auf verschiedene Arten und Ebenen.

Kommunikation bedeutet ja nichts anderes als das Aussenden und Empfangen von Informationen.

Der Mensch macht dies über die gesprochene Sprache, Körperhaltung und Gesten.

Bäume kommunizieren natürlich nicht mit knarrenden Ästen und raschelnden Blättern, sondern unter anderem über Duftstoffe, sogenannte Pheromone.

Dies sind Botenstoffe, die nach außen abgegeben werden.

Übrigens verfügen auch wir Menschen über diese Duftstoffe, die wir bewusst und unbewusst wahrnehmen. Pheromone sind der Grund, warum wir gewisse Leute einfach „nicht riechen können“, uns zu anderen jedoch regelrecht hingezogen fühlen. Diese Duftstoffe sind dann laut der Wissenschaft auch daran beteiligt, welchen Partner wir letztendlich wählen.

Und Bäume kommunizieren auf die gleiche Art und Weise miteinander.

Erstmals groß entdeckt wurde diese Art der Verständigung von Bäumen vor mehr als vierzig Jahren:

Die Blätter der Schirmakazie der afrikanischen Savanne stehen auf dem Speiseplan von Giraffen. Damit der Baum nicht irgendwann völlig kahl gefressen ist, schützt er seine Blätter mit Dornen auf den Ästen. Doch das hindert die Giraffe keineswegs am Naschen.

Deshalb kann die Schirmakazie innerhalb von Minuten Giftstoffe in ihre Blätter einspeisen, die der Giraffe gehörig den Appetit verderben.

Die Giraffe ihrerseits ist dann gezwungen, zum nächsten Baum zu gehen. Doch sie bedient sich nicht einfach am Nachbarbaum.

Nein, sie wandert etwa hundert Meter weiter und frisst erst bei diesen Bäumen. Denn sie weiß, dass die Bäume sich gegenseitig warnen.

Wird eine Akazie angeknabbert, verströmt diese das Warn-Gas Ethylen, das alle umstehenden Bäume dazu veranlasst, ebenfalls Giftstoffe in ihre Blätter zu pumpen. Diese Duftstoffe haben jedoch nur eine Reichweite von hundert Metern, weshalb die Giraffe auch so weit läuft. Oder aber sie bewegt sich gegen den Wind und den Warnstoff und frisst die Blätter der ahnungslosen Bäume.

Benachbarte Bäume kommunizieren untereinander, wenn sich ihre Wurzeln im Erdreich berühren. Sie stimmen ihre Rezepte ab, informieren die Pilze über Abgrenzungen, benutzen oft auch Strategien im gegenseitigen Wachstumswettbewerb.

Der Wald ist eine einzige große Familie.

Jeder Baum kann irgendetwas besonders gut. Es gibt Bäume mit sehr tiefen Wurzeln. Im Gebirge ist dies z.B. die Lärche und im wärmeren Tiefland die Eiche. Die Tiefwurzler sind die Stützpfeiler gegen Wind und Sturm. Tief verwurzelt und hoch aufragend brechen sie die Kraft des Windes, sodass auch schwächere Bäume unbeschadet durch die Unwetter kommen.

Die Waldbäume sind immer eine Gemeinschaft, in der es **Arbeitsteilung **gibt. Natürlich herrscht bei den jungen, viel zu dicht aufwachsenden Bäumchen auch ein rigoroser Verdrängungswettbewerb.

Hat verarbeitetes Holz in den eigenen vier Wänden auch gesundheitliche Auswirkungen?

Der Physiologe und Forscher Maximilian Moser von der Universität Graz konnte in seinen Studien nachweisen, dass Schüler in mit viel Massivholz ausgestatteten Klassenzimmer wesentlich entspannter waren als Schüler in Klassenzimmern ohne Holz. Schüler in Vollholzklassen hatten am Schuljahresende pro Schultag 8.600 Herzschläge gespart, die beruhigende Wirkung von Holz auf das Herz-Kreislauf-System führte darüber hinaus zu weniger aggressivem Verhalten im Schulalltag. Beim Schulversuch waren die Holzarten Eiche, Tanne, Fichte sowie Buche und Zirbe im Einsatz.
Im Schulklassenversuch sei außerdem eine positive Wirkung auf den Vagus nachgewiesen worden, der Nerv, der das Herz vor Belastungen schützt und Entzündungen im Körper verhindert. Mosers Institut fand weiters heraus, dass Versuchsteilnehmer, die im Zirbenholzbett schlafen, 3.600 Herzschläge pro Nacht sparen. Eine geringere Herzfrequenz wirkt sich langfristig günstig auf die Lebenserwartung aus, da bei einem niedrigen Puls das Herz besser mit Sauerstoff versorgt wird.

Die antibakterielle Wirkung bestimmter Holzarten ist schon länger nachgewiesen. Besonders Kiefernholz tötet Bakterien ab, aber auch Eiche und Lärche. Das liegt an der Fähigkeit von Holz, Feuchtigkeit aufzunehmen und an den enthaltenen Polyphenolen.

So kann man sich zumindest auch in der Stadt, ein bisschen von den gesundheitlichen Vorteilen eines Baumes, ins eigene Heim holen.

Österreichs Wald

  • 47,7 Prozent der Fläche Österreichs sind mit Wald mit rund 3,4 Milliarden Bäumen und

  • 65 verschiedenen Baumarten.

  • Kärnten und Steiermark haben mit über 61 Prozent den höchsten Waldanteil.

Im Mühlviertel gibt es sogar einzelne Gemeinden mit einem Bewaldungsanteil von über 70 %.

Ich genieße auf jeden Fall schon mein Leben lang jeden Moment, wo ich in den Wald gehen kann. Habe auch einen Lieblingsplatz und Lieblingsbaum, den ich gern “besuche”. Besonders im Winter hat er mir durch die kalte und graue Zeit geholfen!

Ich wünsche, dass auch für DICH ein Baum (- besser natürlich ein ganzer Wald - ) in deiner Nähe steht, auf den du immer wieder blicken kannst, bei dem du dich “auftanken” kannst….