Frech, wild und wunderbar

Eine Geschichte, die von den kleinen Abenteuern des Lebens erzählt. Sie zeigt, wie unbekümmert Kinder sind und wie frei von Ängsten, wenn wir sie mit unseren eigenen nicht infizieren.

Eine Mutter lebte mit ihrer kleinen Tochter außerhalb der Stadt. Das Haus war einsam in einem üppigen Waldstück gelegen. Das Mädchen wuchs inmitten der Natur auf. Es hörte nachts die Schreie der Käuzchen, es streifte tagsüber durch den Wald und sammelte Moos und leere Schneckenhäuser. Angst hatte das Mädchen nie. Von seiner Mutter hatte es gelernt, sich in der Wildnis geborgen zu fühlen. „Alle Wunder und alle Abenteuer liegen im Herzen der Natur“, sagte die Mutter häufig.

Dann kam der Tag, an dem das kleine Mädchen die Schule besuchen sollte. Es fuhr kein Schulbus von dem Waldstück in die Stadt. So lief das Mädchen jeden Tag zur Schule und wieder zurück, jedenfalls wenn das Wetter es erlaubte. An Schlechtwettertagen fuhr die Mutter es mit dem Auto in die Stadt.

Eines Tages jedoch war das Wetter schon am Morgen besonders düster. Wolken türmten sich unheilvoll am Himmel. Dennoch machte sich das Mädchen wie jeden Tag auf den Schulweg.

Im Laufe des Vormittags und Mittags wurde das Wetter noch schlechter. Ein starker Wind kam auf und mit ihm tosender Donner und grelle Blitze. Regen strömte vom Himmel. Die Mutter zu Hause kam fast um vor Sorge: Würde sich ihre Tochter nicht furchtbar ängstigen? War es nicht sogar richtiggehend gefährlich, ein so kleines Kind alleine durch ein Gewitter laufen zu lassen? Was, wenn ein Blitz einschlug?

Kurzerhand setzte sie sich ins Auto und fuhr dem Kind entgegen. Da endlich sah sie von Weitem ihre Tochter durch den Regen laufen. Das Mädchen sah aber keineswegs verängstigt aus. Die Mutter fuhr näher heran, stieg aus dem Auto aus und rannte dem Kind entgegen.

Ihr kleines Mädchen lief putzmunter die Straße entlang. Und bei jedem Blitz, der den dunklen Himmel erhellte, blieb das Mädchen stehen, sah zum Himmel und lächelte. Endlich erreichte die Mutter ihre Tochter. „Was machst Du denn da?“, fragte sie völlig entgeistert. Das Kind antwortete lächelnd: „Mama, stell Dir vor, Gott macht hier ständig Fotos von mir!“

Aus dem Magazin “Happy Way”.