Die Augenbraue der Venus – die Schafgarbe

In früheren Zeiten wurde die Schafgarbe die Göttin der Schönheit und Liebe genannt und gehört weltweit zu den meist geschätzten Heilpflanzen.

Der Mythologie nach soll der griechische Held und Krieger Achilles, ein Schüler des heilkundigen Zentauren Chiron, mit der Schafgarbe Verwundungen geheilt haben. Offensichtlich wusste man damals schon um die wundheilende und entzündungshemmende Eigenschaften der Schafgarbe - „garwe“ = gesund machen. „Blutstillkraut“, „Zimmermannskraut“ und „Heil aller Schäden“ - viele Namen künden von Achilleas großer Heilkraft, die von dem Militärarzt Dioskurides im 1.Jahrhundert n. Chr. bei Tausenden von Verletzten ebenso genutzt wurde wie später im 2.Weltkrieg. Hildegard von Bingen erwähnte die Schafgarbe ebenfalls zur Wundheilung: „.. sie nimmt der Wunde das Eiter und Geschwürigwerden und heilt sie…“.

Ihr botanischer Name nimmt auf die tausendfach gefiederten feinen Blätter Bezug: Achillea millefolium - „mille“ = tausend, „folium“ = Blatt.

Die Schafgarbe ist eine sehr vielseitig vewendbare Heilpflanze. Sie hilft bei Verdauungsstörungen, Menstruationsbeschwerden und wie bereits erwähnt, in der Wundheilung.

Ihre Wirkungen entsprechen weitgehend denen der Kamille, allerdings ist die Schafgarbe sehr viel bitterer, deshalb sind Verdauungsstörungen das Hauptanwendungsgebiet des „Bauchwehkrauts“. Dabei kommen die Bitterstoffe mit ihren verdauungs- und gallenfördernden sowie krampflösenden Eigenschaften zur Wirkung. Sie unterstützt auch die Verdauung von Fetten und fördert einen geregelten Stuhlgang.

Durch die ätherischen Öle und Flavonoide mit antibakteriellen, entzündungshemmende und krampflösenden Eigenschaften hat sich Achillea für Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut besonders bewährt. In diesem Fall ist es sinnvoll, die Schafgarbe mit ergänzend wirkenden Heilpflanzen wie Kamille, Pfefferminze oder Fenchel zu kombinieren. Bei Verdauungsstörungen mit einer Leber-Gallen-Beteiligung, bei Entgiftungs- oder Fastenkuren fördert eine Schafgarbenauflage auf die Leber die Entgiftung und löst Krämpfe. Der leicht schweißtreibende, bittere Tee unterstützt ebenfalls die Ausschwemmung von Toxinen. Das ätherische Öl, das Chamazulen enthält, verhindert Entzündungen und wirkt beruhigend.

„Schafgarb im Leib tut wohl jedem Weib“ - in der Frauenheilkunde wird Schafgarbe verwendet, da sie menstruationsregulierend, krampflösend, keimhemmend und blutstillend wirkt. Achillea fördert eine zu geringe und hemmt eine zu starke Blutung, sorgt für eine gute Durchblutung und Durchwärmung aller Organe des kleinen Beckens und lindert schmerzhafte Unterleibskrämpfe. Hierfür ist nicht nur der Tee sondern auch Sitzbäder mit Schafgarbe wirksam.

Der Volksname „Soldatenkraut“, „Zimmermannskraut“ oder „Beilhiebkraut“ zeugen von der uralten Verwendung der Schafgarbe bei Verletzungen. Hier kommen sowohl die Gerbstoffe als zusammenziehend wirkendes, entzündungshemmendes Mittel zur Geltung sowie die ätherischen Öle, die keim- und pilzhemmend sind und die Heilung beschleunigen.

Die Schafgarbe gilt als wirksames blutstillendes Mittel, zum Beispiel bei Nasenbluten (Tee hochschnupfen), Menstruationsblutungen (Tee trinken), Hämorrhoiden (Sitzbad nehmen) und Wunden (Auflagen). Man kann die Schafgarbe für die innerliche und äußerliche Anwendung einsetzen bei leichten Haut- und Schleimhautentzündungen, Wunden und Geschwüren.

Äußerlich wird der Tee für Spülungen, Umschläge, Bäder und für eine Wundauflage bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen genutzt. Außerdem gilt die Schafgarbe als ein mildes Venenmittel, denn sie stärkt die Venenwände und fördert den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen. Sie behebt dadurch venöse Stauungen und Gefäßkrämpfe und hat sich bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Kreislaufstörungen und zur unterstützenden Behandlung eines erhöhten Blutdrucks bewährt.

Die Schafgarbe beruhigt ebenso die Herzfrequenz, steigert die Herzleistung, wirkt Gefäßkrämpfen entgegen und versorgt den Herzmuskel vermehrt mit Sauerstoff, das lindert auch die funktionelle Herzenge (Angina pectoris).

Ein Forschungsprojekt des Unizentrums Naturheilkunde Freiburg konnte zeigen, dass ein feuchtwarmer Leberwickel zu einer verbesserten Entgiftungsleistung der Leber führt: Die durch die Wärme bedingte Gefäßerweiterung bewirkt eine verstärkte Durchblutung, das entspannt, entkrampft und verbessert die Stoffwechselaktivität der Leber.

Hautempfindliche Menschen sollten beim Sammeln der Schafgarbe vorsichtig sein, denn in der Sonne gepflückt, kann Schafgarbe eine Hautentzündung auslösen, die so genannte „Wiesendermatitis“.

Inhaltsstoffe der Schafgarbe:

Ätherische Öle mit Proazulen – höchster Gehalt in den Blüten, mit Cineol, Pinen, Kampfer, Eugenol, Thujon, Caryophyllen, Limonen, Sesquiterpenen und Chamazulen. Bitter- und Gerbstoffe, Flavonoide und Kieselsäure

Anwendung innerlich:

Verdauungsstörungen (Magen, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse) Menstruationsbeschwerden Venenmittel, Blutfluss, hoher Blutdruck

Anwendung äußerlich:

Hautkrankheiten, Schleimhautentzündungen, Geschwüre Wundbehandlung Hämorrhoiden Nasenbluten

Gegenanzeige:

Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Schafgarbe oder andere Korbblütler.

Ernte:

Die leicht aromatisch-bitteren, leicht salzig schmeckenden Schafgarbenblätter kann man das ganze Jahr über als Wildgemüse ernten und essen.

Die Blüten schneidet man von Juni bis Ende September mit einer Schere ab, an einem sonnigen Tag in der vollen Mittagshitze, da ist der Gehalt an ätherischen Ölen in allen Pflanzenteilen am höchsten. Das abgeschnittene Kraut entweder zu Sträußen gebunden an einem luftigen, schattigen Platz aufhängen oder eine dünne Schicht im Schatten zum Trocknen auflegen auf ein Bauwoll- oder Leinentuch. Die getrocknete Schafgarbe gut aromageschützt aufbewahren oder gleich frisch (!) zu einer Tinktur weiterverarbeiten.

Rezepte:

Schafgarbentee:

1 Tl Schfgarbenkraut mit 1 Tasse heißem Wasser überbrühen, 7 Minuten bedeckt ziehen lassen und abgießen. 3- bis 4-mal täglich 1 Tasse frisch bereiteten Tee warm zwischen den Mahlzeiten trinken.

Tee zur äußerlichen Anwendung:

Für die äußerliche Anwendung (Umschläge, Kompressen, Teilbäder) 1 EL Kraut mit 1 Tasse heißem Wasser überbrühen, 10 Minuten bedeckt ziehen lassen und abgießen.

Tee gegen Menstruationsbeschwerden:

je 20 g Schafgarbe, Frauenmantel und Gänsefingerkraut, Kamillenblüten, Melissenblätter 7 Minuten ziehen lassen, 3-mal täglich 1 Tasse trinken. Ca 2 Tage vor der erwartenden Menstruation bis 1 Woche nach Beginn trinken, bis zur nächsten Periode pausieren. Gewürzt mit einer Scheibe Ingwer wirkt der Tee noch intensiver.

Schafgarbentinktur

Zutaten:

  • Schafgarbenblüten und -blätter
  • Wodka oder Korn
  • verschließbares Glas

Zubereitung:

Die Schafgarbenblüten und -blätter in ein Glas geben (vorher waschen und gut trocknen), mit Korn oder Wodka aufgießen, dass alles gut bedeckt ist (sehr wichtig, dass der Alkohol alles gut abdeckt, besser noch eher drüber geht). Nun das Glas schließen und für 4 bis 6 Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen. Täglich schütteln und immer wieder darauf achten, dass die Blätter und Blüten gut mit Alkohol bedeckt sind. Bereits nach ein paar Tagen wird sich der Alkohol dunkler verfärben. Nach 4 bis 6 Wochen durch einen Kaffeefilter abseihen und in dunkle Gläser abfüllen.

Anwendung:

Von der Tinktur kann man täglich 10 bis 15 Tropfen verdünnt mit Wasser nehmen. Sie hilft zB bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrsbeschwerden, Durchblutungsstörungen, Krampfadern uvm.

Achtung!

Die Einnahme kann zu Lichtempfindlichkeit führen – daher nach der Einnahme nicht in die pralle Sonne gehen. Die Schafgarbentinktur soll ebenfalls nicht mit Wein oder Kaffee kombiniert werden, da es sonst zu Kopfschmerzen kommen kann. Für Schwangere ist eine Schafgarbentinktur ebenfalls nicht geeignet, da sie Wehen hervorrufen könnte.
Generell sind Tinkturen nicht geeignet für Kinder, Alkoholkranke und Leberkranke. Vor einer Anwendung auf Wiesendermatitis prüfen.

Schafgarbenöl

Zutaten:

  • Schafgarbenblüten- und blätter
  • ein gutes Bio-Öl (Sonnenblumenöl, Mandelöl, …)
  • ein Glas
  • Küchenrolle oder ein kleines Stück Baumwollstoff, Faden

Zubereitung:

Die Herzstellung ist in etwas wie bei der Tinktur, jedoch muss man beim Ölauszug gut aufpassen, da er leichter schimmlig werden kann. Die Pflanzenteile enthalten Wasser und das Öl ist nicht desinfizierend wie der Alkohol. Daher verschließt man das Glas nicht gleich und lässt das Wasser entweichen.

Wenn Ihr also das Öl angesetzt habt, gebt ein Stück Küchenrolle oder einen luftdurchlässigen Stoff oben drauf – bindet einen Faden rund herum und lasst es ebenfalls 4-6 Wochen an einem warmen Ort ziehen. Es ist wichtig, dass man das Öl immer wieder kontrolliert, denn es müssen alle Pflanzenteile vom Öl bedeckt sein, damit nichts zu schimmeln beginnt

Nach der Ziehzeit das Öl ebenfalls durch einen Kaffeefilter abseihen und am besten in dunkle Braunglasflaschen abfüllen. Nicht vergessen, das Öl dementsprechend zu etikettieren.

Anwendung:

Die wundheilende Wirkung der Schafgarbe entfaltet sich in dem Öl sehr gut und kann in der Hautpflege angewendet werden. Man kann das Öl pur auf die Haut auftragen oder in einer Salbe verarbeiten. Wenn man es in die Kopfhaut einmassiert, soll es bei hormonellen Haarausfall helfen. Während der Menstruation ist eine Bauchmassage mit dem Öl sehr angenehm.

Achtung!

Auch beim Öl auf die erhöhte Lichtempfindlichkeit achten und nach dem Auftragen nicht in die direkte Sonne gehen. In der Schwangerschaft ebenfalls darauf verzichten und wie bereits ganz zu Beginn beschrieben auf die Verträglichkeit im Hinblick auf die Wiesendermatitis achten.