Brennessel-Samen - ein heimisches Superfood

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?


Superfood ist momentan in aller Munde. Chiasamen, Goji-Beeren, Quinoa und Co sind inzwischen in jedem Lebensmittelgeschäft zu bekommen. Sicherlich eine willkommene gesunde Abwechslung, aber wenn ich an die extrem weite „Anreise“ denke, ist mir doch die heimische Powerkraft unserer Superfoods lieber.


Unsere Heimat bietet so eine große Auswahl davon. Jede Jahreszeit schenkt gerade zur rechten Zeit, was wir genau jetzt brauchen. Darum sollten wir besonders darauf achten, saisonale und regionale Lebensmittel zu kaufen.


Bei meinen Wanderungen durch die wunderschöne Natur, sehe ich immer wieder die Unmengen an Brennesselsamen. Völlig kostenlos, einfach nur pflücken, mitnehmen und frisch zum Joghurt, auf dem Brot, Käse gestreut… mhh lecker und so gesund!


Nur wenige wissen, welche Powerkraft in diesen Samen steckt.

Im Juli bis Oktober gepflückt, entweder gleich frisch verwendet oder getrocknet für den Winter, haben wir bereits eine, unserer heimischen Superfood-Lebensmittel:

Die Brennesselsamen

Möchte euch ein bisschen über die Brennessel erzählen:

Die Brennessel oder manchmal auch „Brennnessel“ geschrieben ist alles andere, als nur ein lästiges Unkraut. Die Brennessel ist eine Pflanze, die mehrjährig wächst und über ein weitverzweigtes Wurzelsystem verfügt. Immer im Frühjahr zeigen sich die ersten grünen zarten Blätter, von denen man sich aber nicht täuschen lassen sollte. Bereits diese können kräftig brennen. Allerdings sind gerade die jungen Pflanzen besonders gut für die Teezubereitung oder als Gemüse (Spinat, Salat) geeignet.

Brennesselsamen sind in der Nahrungsergänzungsmittelindustrie ebenfalls ein Begriff.

Man kann Brennesseln tatsächlich relativ gefahrlos anfassen, wenn man sie von unten nach oben streicht, da die Brennhärchen nach oben ausgerichtet sind. Ich verwende trotzdem lieber Handschuhe :) und hab immer eine kleine Schere in meinem kleinen Rucksack !

Der lateinische Name lautet Urtica. Man unterscheidet vier Arten: die große und kleine Brennessel, die Röhricht Brennnessel und die Pillen Brennessel.

Die Brennhaare sitzen auf der Blattoberseite und sollen die Pflanze eigentlich vor Fraßfeinden schützen. Dank der Kieselsäure, die in der Brennessel eingelagert ist, werden diese Härchen hart und spröde wie Glas. Hat man das Pech, mit diesen Härchen in Kontakt zu kommen, bricht die Spitze ab. Mit einigem Druck schießt dann die ameisensäurehaltige Brennflüssigkeit heraus und gelang so in die Wunde. Dadurch entstehen dann die berühmten Quaddeln, die mit Brennen oder Juckreiz einhergehen. Die Brennnessel war im Übrigen auch Namenspate für eine allergische Hautreaktion: die Nesselsucht oder Urtikaria.

In der Bronzezeit wurden die Pflanzenfasern dazu verwendet, um Stoffe herzustellen. Im 20. Jahrhundert wurde die Brennessel unter anderem dazu benutzt, Militärkleidung einzufärben. Das war vor der Zeit der Massenproduktion. Im Jahr 1900 galten Brennesselfasern als Stofflieferant für die Kleidung der armen Leute.

Im Altertum war die Brennessel als Heilpflanze bekannt und diente auch als Nahrungsquelle. Wer es selbst gerne einmal ausprobieren möchte, wie Brennesseln schmecken, kann sich zum Beispiel Brennesselspinat zubereiten oder die Pflanze als Beilage im Salat verwenden. Zudem kann aus den Blättern ein Tee zubereitet werden, dem im Generellen eine entschlackende und harntreibende Wirkung nachgesagt wird. Ihren Namen hat die Brennessel von ihren Brennhaaren, mit denen der eine oder andere bestimmt schon mal eine unangenehme Begegnung hatte.

Doch nicht nur die Brennessel selbst ist Nahrungs- und Naturheilmittel. Auch die Brennesselsamen können vielfältigen Einsatz finden.

Sie sollen Berichten zufolge mit pflanzlichen Hormonen, Vitaminen und Mineralien angereichert sein. Zudem sollen die Samen in vielen Kulturen auch ein sehr wirksames Aphrodisiakum sein.

Bereits Ovid, ein römischer Dichter, schätzte die angebliche Wirkung und empfahl eine Mischung von Pfeffer und Brennnesselsamen 1:1. Zudem sollen auch römische Soldaten ihre Verletzungen mit Brennesseln behandelt haben. Heute gilt es sogar als Hausmittel für Hunde zur Revitalisierung des älteren Hundes.

Noch heute sind Brennesselsamen als Vitaltonikum, vor allem in abgelegenen Gegenden, sehr beliebt. Ausführlich dokumentiert ist die umfangreiche Verwendung vor allem in Polen oder Russland.

Die medizinische Wirkung der Brennessel selbst ist im Übrigen von der Kommission E anerkannt. Der europäische Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMCP) hat sie aufgrund langjähriger Erfahrung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Früher glaubten die Menschen, dass der Verzehr von Brennesseln am Neujahrstag böse Geister und Zauber fernhalten soll.

Wahrscheinlich liegt es am Trend zur Nachhaltigkeit und zu Biolebensmitteln, dass die Brennessel, ihre Samen und auch ihr Extrakt so eine Art Revival erleben und allmählich aus der „Öko“-Ecke geholt werden.

Folgende Inhaltsstoffe sollen in den Samen enthalten sein:

  • Linolsäure (74% – 83%)
  • Öl (25% – 30 %)
  • Linolensäure
  • Schleimstoffe
  • Tocopherol
  • Carotinoide (zum Beispiel ß-Carotin und Lutein)
  • Unter anderem Vitamine C, E und A

100 Gramm Brennesselsamen haben circa 4 Kcal (17kj).

Folgende Wirkungen werden den Brennesselsamen nachgesagt

Die Samen zeichnen sich besonders durch die „fetten“ Öle aus, die in ihnen enthalten sind. Allerdings muss man keine Angst haben, dass man gleich zunimmt, wenn man die Samen konsumiert. Die „fetten“ Öle sollen nämlich positiv sein und werden deshalb vorrangig als gesund beschrieben. Bis zu 30 % davon sind in Brennesseln enthalten. Unter anderem auch ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure.

Weiterhin befinden sich viele Vitamine wie die Vitamine A, C und E,in der Pflanze. Auch Carotinoide und Polysaccharide sind enthalten.

Die Kombination aus den vielen Stoffen sorgt dafür, dass die Brennesselsamen richtige kleine Powerpakete sein können.

Auch deshalb kommen sie in vielen Vital-Rezepten unter anderem bei körperlicher Erschöpfung zum Einsatz.

Augenscheinlich sollen sie hier kräftigend wirken.

Auch bei Leistungsschwächen oder Müdigkeit können sie positiv eingesetzt werden.

Da sie auch viel Eiweiß enthalten, können sie für Sportler eine wertvolle Energiequelle darstellen.

31 g Eiweiß stecken in 100 g Brennesselsamen.

Unter anderem sind sie in veganen Eiweißriegeln enthalten, da nicht nur Bodybuilder oder Sportler auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten müssen, sondern auch Veganer.

Weitere Einsatzmöglichkeiten von Brennnesselsamen, die immer wieder zu lesen sind: Gegen Gicht und Rheuma, Haarausfall und Prostatabeschwerden und bei Verdauungsbeschwerden.

Weiterhin gilt Brennesselsamen als „Wiesen-Viagra“. Sie sollen bei Männern die Samenproduktion anregen und luststeigernd wirken. Auch bei Frauen sollen sie sich positiv auf den Östrogenspiegel auswirken.

Aus diesem Grund verbot die Kirche im Mittelalter ihren Nonnen und Priestern den Genuss der Samen.

Wissenschaftlich ist die aphrodisierende Wirkung bis jetzt aber noch nicht bewiesen.

Brennesselsamen selbst ernten:

Man kann Brennnesselsamen natürlich fix und fertig im (Bio-) Laden oder online kaufen. Aber selbst ernten spart nicht nur Kosten, sondern man weiß auch ganz genau, wo die Samen herkommen. Es bedeutet jedoch Arbeit und auch etwas Kenntnis der Thematik kann nicht schaden. Ein Vorteil bei Brennesseln ist, dass sie wirklich fast überall wachsen und dadurch relativ einfach zu finden sind. Geerntet wird in der Regel in der Zeit von Juli bis Oktober. In diesem Zeitraum tragen die Brennnesseln besonders reiche Samen.

Allerdings sollten sie aber nicht unbedingt am Straßen- oder Feldrand stehen, da hier die Belastung mit Abgasen oder Düngemitteln sehr hoch sein kann.

Ideal wäre es natürlich, wenn die Brennnesseln im eigenen Garten stehen. Aber auch bei denen, die an Wanderwegen wachsen, kann man eigentlich davon ausgehen, dass sie nicht allzu sehr belastet sind. Ich sehe viele in den Wäldern und dort sind sie sicher geschützt und absolut schadstofffrei.

Die Handschuhe schützen die Hände vor den Brennhärchen, denn die Nesseln geben ihre Samen natürlich nicht ganz freiwillig her.

Die Samenstände sollten schön voll, noch grün und dicht an der Brennessel wachsen. Die Brennessel sollte am letzten Samenstand von unten abgeknipst werden.

Anschließend werden die Blätter entfernt , per Hand oder mit der Schere, und die Samen vom Stengel gestreift oder auch mit der Schere abgeknipst werden.

Danach werden die Samenfäden auf ein feinmaschiges Gitter oder Tuch gelegt und angetrocknet.

Durch den Trocknungsvorgang lösen sich die Samen von den Fäden.

Natürlich kann man die angetrockneten Samen auch sieben, dadurch werden die Samen nicht nur von den Fäden getrennt, sondern auch von den übriggebliebenen Blättern.

Anschließend sollten die Brennesselsamen komplett getrocknet werden. Das kann man entweder im Außenbereich erledigen (allerdings sollte keine all zu hohe Luftfeuchtigkeit herrschen) oder in einem Dörrofen bei maximal 40 Grad. Die getrockneten Brennesselsamen sind dann zudem relativ lange haltbar, wenn man sie in einem verschlossenen Glas in einem abgedunkelten Raum aufbewahrt.

Es gibt weibliche und männliche Brennnesselpflanzen. Die männlichen tragen die Samen mit den Pollenkapseln, die dann die weiblichen Pflanzen bestäuben. Diese tragen dann die Samenstränge die geerntet werden.

So sehen die männlichen Brennessel aus - die Samen stehen von der Pflanze “ab”:

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So sehen die weiblichen Brennessel aus - deren Samen gesammelt werden, sie hängen in “großen Büscheln” herunter:

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Wie überall, ist auch bei der Brennessel darauf zu achten, sie mit Maß zu genießen und keine Unmengen davon jeden Tag zu verzehren.

Welche Nebenwirkungen könnten auftreten:

Häufige Nebenwirkungen:

Magen- und Darmbeschwerden wie Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall, Blähungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:

allergische Überempfindlichkeitsreaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag und Nesselsucht.

Besonderheiten:

Bei der Verwendung älterer Pflanzen - Brennesselblätter !!! nicht der Samen - kann es bei innerlicher Anwendung zu Magenreizung und Nierenschädigung kommen.